Machete hat nichts mehr zu verlieren. Drogenkönig Torrez tötet seine Familie und beinahe auch ihn selbst, weil er ihm als gefürchteter Ermittler der mexikanischen Bundespolizei gefährlich nahe gekommen war. Machete flüchtet nach Texas, um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen. Doch er findet sich wieder in einem Netz aus Korruption und Betrug. Der skrupellose Geschäftsmann Booth erpresst ihn, den rassistischen Senator McLaughlin zu erschießen. Sonst würde er Machete, der illegal in den USA ist, verpfeifen.
Machete nimmt gegen seinen Willen an. Eine Falle! Er wird selbst Ziel eines zweiten Killers. Alles soll danach aussehen, dass die Polizei Machete als Attentäter erschießt. Nur knapp entgeht er dem Mordanschlag. Doch Booth und eine Reihe Killer, darunter der unberechenbare Anführer einer privaten Grenzarmee, Von, sind ihm auf den Fersen. Machete kann nur überleben, wenn er die Verschwörung aufdeckt und seinen Namen reinwäscht. Unerwartete Hilfe bekommt er von der schönen Einwanderungsbeamtin Sartana und der Revoluzzerin Luz. Und dann ist da noch der bibelfromme Padre, ein Priester, der sich besser auf Gewehre versteht als auf Bibelsprüche ...
"Machte schreibt keine SMS."
Manchmal kann selbst kommerzieller Misserfolg einen gewissen Trend nicht aufhalten, vor allem weil originelle Ideen bei zeitgleicher finanzieller Unsicherheit rar geworden sind in Hollywood. Als
Robert Rodriguez und
Quentin Tarantino also 2007 ihre Hommage an das Grindhouse-Kino der 60er und 70er Jahre mit
"Death Proof" und
"Planet Terror" inszenierten, da wirkt diese Mischung aus Retrohorror, gefakter Vintageoptik und gewolltem Sleaze zwar auf die breite Zuschauermasse verstörend genug, um den Kinos fern zu bleiben (das "Grindhouse"-Duo spielte nur die Hälfte ihres Budgets ein), war aber unter den Fans und Genreliebhabern edler Geheimtipp genug, um nagend die Umsetzung der spaßeshalber inszenierten Appetithäppchen namens "Fake-Trailer" zu fordern, die einige angesehene Regisseure aus Spaß dem Doppelprojekt beigesteuert hatten. Fünf Trailer zu nicht existenten Filmen - und wie es einmal wirklich war im Märchenfilmland, genügt manchmal ein Trailer per se schon, um ein paar Produzenten davon zu überzeugen, dass man den Film wirklich drehen muss.
Rodriguez macht nur mit
"Machete" (nebenbei auch der Trailer, der das größte Echo hervorrief) nun selbst den Anfang, die garantiert gewaltgesättigte Action-Exploiterparodie von dem machetentragenden Mexikaner, der für an ihm begangenes Unrecht übelst Rache nimmt. Man stecke dazu einen grimmigen Kerl wie
Danny Trejo (der sonst ja eher Nebenrollen veredelt) in einen langen Mantel und eine Lederweste mit vielen schlimmen Schneidewerkzeugen, konstruiere für ihn ein paar absurde Situationen und entwickle daraus eine Mischung aus B-Action, Retro-Reminiszensen und menschenverachtenden Einfällen, speziell für ein Kultpublikum entwickelt.
Daraus könnte man
Rodriguez jetzt natürlich Berechnung vorwerfen, aber letztendlich bedient auch er nur seine eigene Klientel, die sich seine actiongesättigten Erwachsenenfilme natürlich liebend gern ins Regal stellen.
"Machete" ist die pure Berechnung, aber er ist auch eine gewisse Form von In-Joke, denn
Rodriguez lockt mit diesen übertriebenen Reißern nicht nur einige interessante Gesichter an, sondern versammelt auch Freunde und Stammkräfte für eine Form des bewährten Wiedersehens. Das heißt also Gastauftritte für
Cheech Marin und
Tom Savini, aber eben auch namhafte Figuren wie
Robert de Niro,
Lindsay Lohan,
Michelle Rodriguez,
Don Johnson und
Jessica Alba, allesamt Darsteller, die sich einerseits den Spaß machen, ordentlich vom Leder zu ziehen und andererseits nicht zu teuer sind, denn fast alle haben mit Karriereknick zu arbeiten, aus dem einen oder anderen Grunde (
Rodriguez hatte Alkoholprobleme,
Alba sucht nach der Mutterpause ihr Publikum,
De Niro kriegt kaum noch anspruchsvolle Rollen,
Lohan ist ein Medien- und Drogenwrack,
Johnson kämpft gegen das Vergessen und
Seagal ist ein angejahrter Actionstar, der durch C-Spektakel aus Osteuropa tingelt.) - hier können alle nur gewinnen, zumindest wieder an Popularität.
Befeuert vom Grindhousebezug, lässt
Rodriguez also mit
"Machete" eine Story von der Kette, die ureigenstes B-Potential hat, die Story von dem schicksalsgeplagten, harten Einzelgänger mit dem Rachemotiv, umgeben von schönen Frauen und abgründigen Finsterlingen mit Armeen von Schlägern und Killern. Als Gerüst benutzt er geschickt ein Thema, das tatsächlich in den Staaten eine heiße Kiste ist, die illegale Einwanderung von Mexikanern über die Südgrenze samt Verriegelung der USA, nicht zuletzt vor dem jenseits der Grenze herrschenden Drogenkrieg. Dazu noch karrieregeile und korrupte Politiker und fertig ist die Laube - mehr braucht da kein Mensch.
Vielleicht noch ein paar knuffige Oneliner, etwas ironischen Abstand und jede Menge Gewalt und das liefert
Rodriguez mit Freuden, ohne das heikle Thema jetzt wirklich ernst zu nehmen. Der Plot entwickelt sich schön organisch, obwohl nicht übermäßig anspruchsvoll aus dem Verschwörungsbereich gibt es reichlich Schauwerte und Abstruses zu sehen und der menschliche Körper darf in all seinen Facetten auseinander genommen werden. Die Pausen füllen diabolisch vor sich hinränkende Schurken und wohlgeformte Frauen mit wenig bis nichts an - so gewinnt man die Aufmerksamkeit des männlichen Publikums.
Klingt jetzt vielleicht zu sachlich für den fertigen Film, aber so produziert
"Machete" eine Menge kurzfristigen Spaß und gibt gerade als Parallelprojekt UND Gegenentwurf zu
"The Expendables" der stargespickten Actionmelange von
Sylvester Stallone eigentlich den nötigen Tritt in den Hintern, denn wo
Stallones Helden doch etwas steif Lockerheit simulieren und die Kampfszenen vorsichts- und alterhalber eher superschnell dargeboten wurden, anstatt genau die alten Qualitäten ironisch zu brechen, kümmert sich
Rodriguez zumindest zwei Drittel seines Films überhaupt nicht darum, dass
Trejo Mitte 60 ist und für einen monumentalen Hero eigentlich ziemlich klein (nämlich gerade 1,70 m), es geht nur darum, wie man den beabsichtigten Camp-Kult denn nun in Szene setzt. Es muss nicht immer rollenkonform sein oder Sinn machen, also darf
De Niro chargieren,
Seagal übertreiben und die
Lohan mehr oder minder nur nackt agieren, es ist das Wissen um die Hintergründe der "Stars", die den halben Spaß ausmachen.
Woran es hapert, ist leider ein letztes Drittel, das den ersten beiden inszenatorisch Rechnung trägt, denn der grimmige Tonfall nimmt eine stärkere Wendung ins Alberne, ein bemüht gedrechselter Aufstand illegaler Mexikaner sieht leider nicht sonderlich gut choreographiert aus und die aufmunternden Botschaften, die halb übertrieben, halb ernst gemeint von den Figuren geschmettert werden, sind annähernd fremdschämenswert. Traurig auch, dass das lang erwartete Finale zwischen
Trejo und
Seagal (als Drogenbaron) dann gegen Restfilm geradezu enttäuschend ausfällt, gewollt ironisch und aufgrund der körperlichen Mängel bzw. des Alters der Beteiligten (
Seagal trägt ein geradezu monströses Übergewicht durch die Kulisse und kann nur ein paar Schwerthiebe anbringen, während er stattdessen ununterbrochen zur Überbrückung redet.) kurz und unspektakulär.
Bis zu diesem Finale funktioniert der Film aber als Partybombe wie ein Uhrwerk, sicher nicht in Sachen Nachhaltigkeit, aber als Stimmungsflasher, der (bis auf den Retrovorspann) auf die Grindhouse-Kinkerlitzchen in Sachen kaputtes oder beschädigtes Filmmaterial verzichtet.
Rodriguez ist einfach zu wenig Perfektionist, um mehr als ein knallbuntes und groteskes Feuerwerk abzufackeln und selbst bei den körperlichen oder darstellerischen Limitierungen aller Beteiligten lässt er doch genau das von der Kette, was die Leute an den billigen Grindhousefilmen zu lieben glauben, weil sie die meisten dieser oft sehr gestreckten und wenig spektakulären Filme nämlich selbst nie gesehen haben.
"Machete" ist nicht mehr und nicht weniger als ein Partyspaß, der seine Kohle erst als Silberscheibe machen wird, aber gerade deswegen unbedingt auf einer Großleinwand (bevorzugt unter freiem Himmel) genossen werden sollte, denn Überlebensgröße ist hier der beste und einzige Existenzgrund. Blut und Gewalt, Waffen und Sex, schöne Frauen und fiese Sprüche, dicke Autos und komische Figuren. Arthaus wartet auch noch bis morgen.
Sony Pictures veröffentlicht
"Machete" in seiner ungekürzten 18er Fassung auf Blu-ray und DVD, leider mit sehr spärlichem Bonusmaterial. Nicht einmal der Kinotrailer, geschweige denn der damalige Fake-Trailer schafften es auf diese Veröffentlichung. Stattdessen gibt es 11 Minuten an
entfernten Szenen, die zumindest in High Definition vorliegen. Der Rest besteht aus einer
BD-Live-Anbindung und
Trailer weiterer
Sony Pictures-Titel. Die separate Tonspur mit den
Publikumsreaktionen ist eine nette Beigabe, jedoch wäre ein schönes "Making of" bzw. ein Audiokommentar wünschenswerter gewesen. Aber hier ist das letzte Wort sicherlich noch nicht gesprochen, schließlich plant
Rodriguez seit geraumer Zeit einen "Director's Cut" zu veröffentlicht.
Die normale Kaufhausfassung erscheint im SeastoneCase mit FSK-Wendecover. Der Internethandel Amazon.de verkauft den Film zudem noch als Steelbook und in einem limitierten Giftset, welches ebenfalls die Steelbook-Version enthält, sowie ein Kinoposter, 6 Postkarten mit Charaktermotiven und eine Machete-Actionfigur von NECA.
Auch wenn die Veröffentlichung in puncto Bonusmaterial mehr als enttäuschend ausgefallen ist, so macht man dies mit der Bildqualität wieder wett. Zwar ist auch
"Machete" im Grindhouse-Stil gedreht worden, was zu Beginn anhand von extremem Verschmutzungen deutlich wird. Nach dem Vorspann kommt
"Machete" aber weitgehend ohne dieses Stilmittel aus, welches bereits bei
"Planet Terror" auf die Spitze getrieben wurde. Die Optik ist dennoch als sehr grob und körnig zu bezeichnen und auch der Kontrast und die Farbgebung wurde angepasst. Allerdings geht dies nicht bzw. kaum zu Lasten der Bildqualität, denn der gesamte Transfer ist extrem scharf ausgefallen und wartet zudem mit einer hervorragenden Detailzeichnung auf, die vor allem in Nahaufnahmen auftrumpfen kann. Der Kontrast darf helle und dunkle Bildbereiche gut ausbalancieren, bietet fast durchweg eine sehr gute Durchzeichnung und lässt das Bild sehr plastisch erscheinen. Nur in wenigen Sequenzen, in denen der Schwarzwert etwas nachlässt, schwächelt das Bild, doch insgesamt hinterlässt der in MPEG-4 kodierte Transfer einen bleibenden Eindruck und toppt die matschig wirkende DVD in allen Belangen. Die Kompression arbeitet sauber und unauffällig und bis auf die gewollten, stilbedingten Veränderungen ist das Bild einfach fantastisch.


Da kann der Ton nicht ganz mithalten. Beide Sprachfassungen liegen im DTS-HD Master Audio 5.1-Format vor und überzeugen mit einer sehr klaren, natürlich wirkenden und gut ausbalancierten Dialogwiedergabe. Der Soundtrack wartet mit viel Druck und einer sehr guten Dynamik auf. Dank präziser Surroundeffekte fetzen die Actionsequenzen und lassen einen hervorragenden Raumklang entstehen, bei dem Bass und Rears einiges zu tun bekommen. Direktional wird in beiden Sprachfassungen einiges geboten, um dem Zuschauer ein stimmiges und sehr lebendig wirkendes Mittendrin-Erlebnis zu präsentieren. Die Kugeln fliegen einem förmlich um die Ohren, Explosionen lassen den Raum erzittern und jeder Effekt ist präzise und klar ortbar angeordnet. Einzig in ruhigen Momenten hätte der Mix noch etwas besser ausfallen dürfen und klingt immer wieder etwas zu frontlastig. Dies ist aber schon das einzige Manko des ansonsten kraftvollen HD-Mixes. Optional gibt es deutsche, türkische und englische Untertitel.
"Machete" ist ein gewaltiger, brutaler, lauter Spaß, der auf Blu-ray einen sehr guten Eindruck hinterlässt. Eine Fortsetzung ist bereits in Planung, sowie ein "Director's Cut" zu Teil 1. Bitte mehr davon!