Mit den mutierten Redneck-Kannibalen geht es nunmehr in die vierte Runde und wieder hat die Geschichte rein gar nichts mit dem vorangegangenen Teil zu tun. Dafür setzt Regisseur Declan O'Brien, der auch für "Wrong Turn 3" verantwortlich zeichnet, vermehrt auf deftige Gewalteinlagen und ein konstant hohes Tempo. Die dünne Story ist wie gehabt zu vernachlässigen. Zehn Freunde um Kenia (eine Frau, nicht das Land) sind mit ihren Schneemobilen in winterlichen Weiten unterwegs, als ein Schneesturm einsetzt. Mit Einbruch der Dunkelheit entdeckt man ein leer stehendes Sanatorium und beschließt dort zu übernachten. Von den drei dort hausenden Kannibalen ahnen sie natürlich nichts ...
Mit dem Einstieg, der ins Jahr 1974 zurückblickt, wird sogleich eine kranke Stimmung verbreitet: Noch ist das Glenville Sanatorium in Betrieb, ein Arzt führt seine neue Kollegin an den Zellen vorbei, wobei ein Patient eine Haarnadel entwendet und sie unbemerkt den drei (noch jungen) Mutanten zuschiebt. Daraufhin ist zu den Klängen eines Strauß-Walzers die Hölle los, während der Splatterfreund schon einige Kostproben von dem serviert bekommt, was an Grausamkeiten folgen dürfte.
Nachfolgend erweist es sich jedoch als ungünstig, Figuren beim Dönern vorzustellen, denn dann ist es mit der Charaktertiefe meistens nicht weit her. Entsprechend mutiert Kenia (die Frau, nicht das Land) schnell zur potentiellen Überlebenden, zumal alle anderen kaum namentlich erwähnt werden und mehr mit Blödsinn und unreinen Gedanken beschäftigt sind. Als der erste verschwindet, weil er nachts nicht einschlafen kann, schläft er bald etwas länger, denn der naive Typ entpuppt sich folgerichtig als erstes Opfer der Degenerierten. Und diese erweisen sich nachfolgend als gar nicht so blöde, denn sie können mit dem Schneemobil genauso behände umgehen, wie ein frisches Süppchen kochen, bei dem ein Opfer quasi als lebende Fondue-Einlage dient. Überhaupt sind die Splattereffekte nicht ohne: Da landet ein Stift im Auge, ein Augapfel wird heraus gepult, Stacheldraht um den Hals gewickelt, eine Vierteilung vorgenommen und einige Fleischstücke aus dem Körper geschnitten.
Die Effekte sind bis auf ganz wenige Einstellungen handgemacht und können sich durch die Bank weg sehen lassen. So finden die Freunde alte Patientenformulare, entdecken ein kurzes Video über Elektroschock-Therapie, blödeln in Rollis über die Flure, erfreuen sich an einem alten Scotch und müssen abwechselnd Wache halten, sich verbarrikadieren oder weglaufen und sich zwischenzeitlich entscheiden, ob man im Versteck verharrt oder einem schreienden Kumpel zu Hilfe eilen soll, während Kenia (die Frau heißt nun mal so) eine folgenschwere Wahl trifft. Dabei nimmt der Film spätestens mit der Tötung des zweiten Opfers ordentlich an Fahrt auf und bringt bis zum Showdown keinerlei Leerlauf mit sich, obgleich sich im Verlauf einige Logiklöcher einschleichen, denn unklar ist, wovon sich die Kannibalen über dreißig Jahre lang ernährt haben, wohin die sich nach der Schließung des Gebäudes abgesetzt haben und warum im Horrorfilm alle Protagonisten nur Handy ohne Empfang dabei haben.
"Wrong Turn 4" bietet insgesamt also solides Futter für Genrefreunde, wartet allerdings kaum mit Überraschungen auf, denn die Erzählung folgt den üblichen Mustern des Slashers, auch wenn zum Finale kleine Wendungen einbezogen werden. Trotz austauschbarer Darsteller und nur in Ansätzen atmosphärischer Kulisse (der Schneesturm ist effektiver, als die Räumlichkeiten des Gebäudes) ist kurzweilige und teilweise auch recht blutige Unterhaltung angesagt, von der bei der deutschen DVD nicht mehr sehr viel übrig bleibt. Ganze 6 Minuten mussten hier Federn lassen. Wie auch bei den anderen zwei Teilen plant Constantin Film keine Uncut-Fassung über das deutschsprachige Ausland, weshalb man auf die US-DVD zurückgreifen muss.
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