Auch wenn man nie einen der
Spencer/
Hill-Filme im Kino begutachten konnte, die besonders in den 1970er und als Wiederaufführung auch in den 1980er Jahren große Erfolge feierten, wird man nicht umhin gekommen sein, das charismatische Filmduo bereits mehrfach gesehen zu haben. Die mehr oder weniger leichten Komödien gehörten nicht nur zu den Stoffen, die bereits im staatlich observierten DDR-Fernsehen rauf und runter gespielt wurden, sondern auch heute noch mit großem Interesse auf der Mattscheibe verfolgt werden können.
Der Erfolg der italienischstämmigen Produktionen wurde insbesonders in Deutschland begründet und hält, wenn auch nicht mehr in kommerzieller Form, dort an. Es ist also nicht verwunderlich, dass das bislang umfangreichste Buch zu diesem Thema aus Deutschland stammt: das hier vorgestellte "Terence Hill - Bud Spencer Chronicles", erschienen im
MPW-Verlag. Geworden ist es eine überraschend tiefgehende, breit gefächtere und mit 450 großformatigen Seiten beinah monströse Abhandlung der andauernden Karriere der Herren
Spencer und
Hill. Dass das Buch von einem Fan der "zweiten Generation" stammt, verwundert nicht, sind doch seit den größten Kinoerfolgen des Filmduos mittlerweile 30 Jahre ins Land gezogen. Allerdings erstaunt es, dass ein Erstlingsautor sich des Themas auf solch fundierte Weise angenommen hat.
Das Buch beginnt mit zwei Einleitungen: jener des bekennenden Fans und Satirikers
Oliver Kalkofe (
"Mattscheibe") sowie des Autors
Tobias Hohmann selbst, die beide ihre Verbundenheit zum Thema ausdrücken. Dieser schließen sich zwei umfangreiche Biografien zu den Hauptdarstellern an, die einige interessante Details enthalten und in den späteren Kapiteln durch filmische Daten komplettiert werden sollen. Die folgenden 330 Seiten befassen sich ausführlich mit dem Filmschaffen, beginnend im Jahr 1951, also weit vor der großen Westernzeit, mit der die beiden Darsteller ihren Durchbruch feierten. Auch wenn diese Film thematisch selten etwas mit dem zu tun haben, wofür man die Charaktere
Spencer/
Hill so mag, wird man auch hier auf viel Wissenswertes stoßen, denn viele der Filme sind in Deutschland noch nicht auf Heimkinomedien erschienen (siehe Anhang). Besonders das die Filmografie abschließende Kapitel "Die Filme von 1999-2008" konnte mich beim Lesern begeistern, weil man viel über neuere Produktionen erfährt, die in Deutschland nicht erhältlich sind und sehr interessant klingen (siehe
"Don Matteo").
Hohmann ist zwar Fan "durch und durch", kann die Filme aber kritisch genug betrachten und herauszusieben, dass nicht alles Filmgold war, was unter den beiden Darstellern entstand. Interressant sind einige seiner Einschätzungen, die manchmal stark von dem abweichen, wie ich diese Filme selbst in Erinnerungen habe: Während mir
"Der Große mit seinem außerirdischen Kleinen" wenig bis gar nicht gefiel, erkennt
Hohmann hier noch
"großen Unterhaltungsfaktor". Dafür schneiden einige 1980er-Jahre-Produktionen des Gespanns nicht so gut bei ihm ab. Daran wird deutlich, wie unterschiedlich doch Filme aufgenommen werden bzw. in Erinnerung bleiben.
Neben Randnotizen zur Produktionsgeschichte werden die daran Beteiligten hervorgehoben. In kleinen Infoboxen bekommen neben Regisseuren wie
Sergio Leone (
"Mein Name ist Nobody"),
Giuseppe Colizzi (
"Vier für ein Ave Maria"),
Sergio Corbucci (
"Zwei Asse trumpfen auf"),
Michele Lupo (
"Buddy haut den Lukas"), und
Enzo Barboni (
"Zwei bärenstarke Typen<") auch Darsteller wie
Klaus Kinski (
"Nobody ist der Größte"),
Joe Bugner (
"Das Krokodil und sein Nilpferd") und
Raimund Harmstorf (
"Sie nannten ihn Mücke") eine kurze Biografie. Auch Autoren (
Marcello Fondato,
"Zwei wie Pech und Schwefel") werden vorgestellt. Weiterhin werden meist zweiseitige Interviews mit Wegbegleitern geboten, u.a.
Nando Paone (
"Sie nannten ihn Mücke"),
Francesco Scardamaglia (
"Zwei wie Pech und Schwefel") und
Ottaviano Dell'Acqua (
"Banana Joe"). Insbesonders wird in diesen hervorgehoben, welch umgängliche Darsteller
Bud Spencer und
Terence Hill doch sind. Weitere Mitstreiter sind im Anhang mit Foto und Kurzbiografie aufgeführt. Im Personenverzeichnis ist weiterhin übersichtlich dargestellt, auf welchen Seiten Informationen zu jeweiligen Personen zu finden sind.
Den Abschluss bilden Zusatzinformationen, die neben einem Synchronisationskapitel (u.a. mit Interview mit
Hill-Stammsprecher
Thomas Danneberg und Dialogbuchvergleichen) auch einen kurzen Abstrich in die
Spencer/
Hill-Kopien betrifft. Dort werden die Doubles bzw. Dupletten der beiden Darsteller, die mittels abgekupferter Drehbücher das schnelle Geld einfahren wollten, angerissen. Eine Übersicht über die Filmografie mit übersichtlichen Stab- und Inhaltsangaben sowie kurzer Bewertung befindet sich auf den letzten 50 Buchseiten.
Sämtliche Kapitel des großformatigen Druckwerks sind außerordentlich gut bebilfert. Diverse Sammler und natürlich der
MPW-Verlag selbst trugen vor allem Plakate, Werbematerial und Fotos zusammen, die dieses Buch bereits seine 40 Euro wert machen. Trotz der großen Abbildungen geht der Text allerdings nie unter und man wird ein Weilchen benötigen, um sich von vorn bis hinten durch das Buch zu arbeiten.
Trotzdem, oder vielleicht wegen des überragenden Gesamteindrucks dieser Publikation, gibt es auch ein paar kleine Kritikpunkte. Trotz Korrektur- und "Beta"-Leser wird man immer noch auf ein paar vermeidbare Fehler treffen. Während die manchmal fehlerhaft platzierte Punktuation, insbesonders hinter Filmnamen, kaum auffällt, sollten Schreibfehler in Personennamen bzw. Filmtiteln, auch wenn man nur vereinzelt darauf trifft, nicht vorkommen.
Argentos Beitrag zu
Spencers Biografie trägt beispielsweise vier Kleintiere im Namen und handelt nicht von vier auf weichen Untergrund Schwebenden. Auch stilistisch gibt es noch ein paar kleine Schnitzer wie Füllwörter ("recht") und Wiederholungen von Satzkonstrukten zu entdecken, die für ein Erstlingswerk allerdings verschmerzbar sind. Für die nächste Veröffentlichung wäre es noch schön, wenn die Bildunterschriften weniger redundante Information anbieten könnten, denn wer den Text auf der jeweiligen Seite liest, kann sich fast immer die zusammenfassende Bilderklärung sparen.
Nichtsdestotrotz wird sich jeder
Spencer/
Hill-Fan oder -Interessierte mit Freuden durch dieses Buch schmökern. Es ist inhaltlich wie optisch äußerst ansprechend und beweist einmal mehr, dass
MPW mit seiner Vergangenheit von amateurhaft verfassten Bilderbüchern abgeschlossen hat.
Tobias Hohmann hat vor kurzem sein zweites Projekt, ein Buch über
Sylvester Stallone, über den
MPW-Verlag veröffentlicht. Nach dem überaus positiven Bild, welches das
Spencer/
Hill-Buch vermittelt, bin ich mir sicher, dass auch die
Stallone-Dokumentation eine lesenswerte, einzigartige Angelegenheit sein wird.
Übrigens: Seit Mitte 2011 ist eine um 130 Seiten erweiterte Zweitauflage beim Verlag erschienen, die nicht nur neues Material enthalten soll, sondern auch überarbeitet wurde. Möglicherweise wurden einige der Fehler dabei gleich mit korrigiert. Die Erstauflage war innerhalb kurzer Zeit ausverkauft.